Der Wolf im Schafspelz

Ein persönlicher Text über den Wolf in Schafspelz alias Freunden und Verrat.

Ein Jahr ist es her. Aber trotzdem fühlt es sich an wie gestern. Die Schmerzen, die Bilder, die Worte – alles ist noch immer in meinem Kopf, als hätte ich es gestern erst erlebt. Jedes einzelne Wort, jede Reaktion, jede Lüge habe ich immer noch vor Augen und es sitzt tief. Nach wie vor. Nach einem Jahr hat sich gefühlt nichts daran verändert. Alle bisherigen Erinnerungen aus all den vielen Jahren zuvor, haben jetzt einen faden Beigeschmack. Wer ist diese Person eigentlich? Hat sie jetzt ihr wahres Ich gezeigt und war vorher nur ein Wolf im Schalspelz?

Warum habe ich es nicht kommen sehen?

Alle Zeichen haben schon dafür gesprochen, dass diese Person eine tickende Zeitbombe ist. Warum habe ich die Person nicht durchschaut? Die Fragerei, das vorgetäuschte Interesse. Ich hätte es sehen müssen! Warum habe ich es nicht? Was hat mich geblendet? Dass wir uns seid Kindheit kennen? Und dennoch tats sie es. Warum habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört?

Ist es ein aufrichtiger Mensch, der lieber einem Chef im Minirock seinen Kaffee holen möchte, statt zu arbeiten? Jemand für den ein 30 Stunden anstrengend ist und das Leben aus „Was koche ich heute?“ und trinken am Wochenende besteht, weil Selbstverwirklichung und Ziele nie eine Rolle spielen und man ja mit Kindern kein Leben mehr hat? Jemand der nicht aus Liebe heiratet, sondern weil die Schwiegereltern gerade Geld für eine Hochzeit über haben, bevor sie sich ein neues Auto kaufen. Aber wenn man in seiner kleinen Welt gefangen ist und auf Nichts zurückblicken kann, in seiner Ansichtsweise beschränkt ist und sich nicht in andere Personen hinein versetzten kann, dann wird der Mensch nie verstehen, was er anderen angetan hat. Es war eine Mischung aus vorgemachter Arroganz, versteckten Selbstzweifel und purem Egoismus.

Für mich war diese Person das Gegenteil von mir. Mit komplett unterschiedlichen Ansichten von richtig oder falsch. Und dennoch habe ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört.

Für mich zeigt es von Stärke, wenn jemand nein sagt, wenn er auf seinem Pfad bleibt und sich trotz schlechter Menschen, die einen einreden, etwas anders zu machen, dennoch standhaft bleibt und lächelt. Jemand, der die Wahrheit sagt, obwohl es nicht leicht ist. Dinge anspricht und für das Richtige einsteht. Jemand, der auch Fehler zugibt und aufrichtige Reue zeigt, wenn er etwas falsch gemacht hat. Diese Person war sie nicht. Sie war ein Wolf, ein böser, hinterlistiger Wolf, der nur sich im Kopf hat und sich als süßes, liebes Schaf ausgegeben hat. Ich wusste von dem Wolf und dennoch dachte ich, er würde mich niemals beißen.

Der Wolf im Schafspelz

Ich habe schon gesehen, dass wir nicht auf einer Wellenlänge waren, dass das Interesse fehlte, weil der Mensch nicht mehr der ist, der er Anfangs mal war. Dass die Fassade bröckelte und der Wolf sich mehr und mehr zeigte. Und auch ich habe mich verändert. Ich hatte mein Leben im Griff. Ich habe mich gefunden, wahr glücklich und zufrieden. Ich hatte Träume und die Träume lebte ich aus. Ich hatte Ziele und ich ließ mich nicht abbringen. Vielleicht verlieren sich Menschen ohne Ziele. Wenn sie nur das nächste Menü und die saubere Wohnung im Kopf haben und nichts anderes aus sich machen. War das alles aus Langeweile passiert?

Jetzt sehe ich Parallelen. War es, als wir Jugendliche waren, nicht auch schon so, dass sie mich kopiert hat? Dass sie neidisch war, auf das, was ich hatte. Dass mein Lebensstil ihr Traum war? Hat sie es aus Neid gemacht? Aus Hass? Aus Eifersucht? Aus Selbstzweifel? Warum nur? Noch immer weiß ich es nicht. Und ich würde gerne so viel sagen, fragen und wiederum nicht, weil ein Wolf ein Wolf ist und niemals die Genugtuung geben würde, die Wahrheit zu sagen. Wer ein Mal lügt, den glaubt man nicht. Und vor allem so hinterlistig. Wie kann man so ein verhasster Mensch werden? Wie kann man sich so selbst im Spiegel ansehen? Wie kann man einen gegenübersitzen und vorspielen ein Freund zu sein?

Jetzt weiß ich, wie die Worte gemeint waren. Jetzt weiß ich, wie jedes einzelne Wort gemeint war! Warum sie diese Fragen stellte, warum sie mich unbedingt sehen wollte. Warum sie sich an den Abend so gab, wie sie es tat. Und sie sagte mir ernsthaft, ich solle etwas für mich tun? Etwa so wie sie? Etwas für mich selbst zu tun, heißt nicht, dass man nur an sich selbst denkt. Ich gehe nicht über Leichen. Ich habe ein Gewissen, ein gutes Herz. Ich bin der Mensch, der wach liegt, der grübelt, wie alles nur passieren konnte. Warum der Mensch etwas gesagt hat, was er wirklich meinte, ob ich mich richtig verhalten habe. Aber niemals der Mensch, der jemand anderen verletzten würde für seinen eigenen Vorteil oder wegen seiner Selbstzweifel und ein bisschen Bestätigung.

Ich brauche keine Aufmerksamkeiten von anderen Männern und muss bei Freunden auch nicht prahlen, mit erfundenen Komplimenten und Geschichten. Und ich hoffte, dass Menschen aus meiner Umgebung, die sich als meine Freunde ausgehen, ebenfalls so sind. Dass sie ehrlich sind, wenn man sie mit der Wahrheit konfrontiert. Dass sie dieses bisschen Anstand haben, einen nicht weiter eiskalt ins Gesicht zu lügen, obwohl man die Wahrheit schon kennt. Dass sie nicht als Opfer darstellen, obwohl sie der Wolf sind. Sein eigenes Unglück ist kein Freifahrtschein. Deswegen ruiniert man nicht das Leben anderer. Selbst nicht, wenn man sich von einander distanziert. Wir waren ja nicht mehr so dicke ist das einzige, dass ich seither je gehört habe. Warum lässt man es nicht einfach? Warum zerstört man andere? Warum lügt man dann eine Freundschaft vor? Es gibt keine Rechtfertigung, warum man überhaupt andere so verletzten kann. Vor allem nach alle den Jahren. Man ist doch für sein Leben, seine Worte, seine Taten selbst verantwortlich. Deswegen zieht man nicht andere Menschen da rein. Nicht seine Freunde. Wie egoistisch, wie falsch, hässlich und wie verlogen, kann man sein, um so etwas zu tun?

Ich war ein Zuschauer meines eigenen Lebens.

Der Wolf verlor sein Schafsfell und die tickende Bombe explodierte. Ich war ein Zuschauer meines eigenen Lebens. Wie ein Film, ein Horrorfilm, der mich nachts immer noch nicht schlafen lässt. An den ich mich Tagsüber erinnere und es mir wie ein Schauer über den Rücken läuft. Der mich zum Weinen bringt, weil er sich jeden Tag immer und immer wieder abspielt. Wann werde ich es vergessen? Nahezu jeden Tag frage ich mich, wie ich mich nur so täuschen konnte in dem Wolf im Schafspelz.

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1 Kommentar

  • 4 Monaten ago

    unfassbar was dir da passiert ist meine Liebe!
    ich habe schon ähnliches erlebt – man kann sich das ja eigentlich nur wirklich vorstellen, wenn man es ähnlich erlebt hat … es ist mutig, dass du es hier an die Öffentlichkeit bringst – und gut 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
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